Was tun, wenn ein Piercing eitert?

Ein Piercing kann während der Heilungsphase gereizt aussehen, empfindlich sein oder es kann sich getrocknetes Wundsekret bilden. Nicht jeder Ausfluss bedeutet jedoch gleich, dass das Piercing entzündet oder infiziert ist. Wichtig ist vor allem zu beobachten, wie das Piercing aussieht und wie sich sein Zustand im Laufe der Zeit entwickelt. Wenn sich Schmerzen, Schwellung oder Rötung verschlimmern und starker eitriger Ausfluss auftritt, sollte das Problem gezielt angegangen werden.

In diesem Artikel erklären wir, woran man ein eiterndes Piercing erkennt, was die Ursachen sein können, wie man es richtig pflegt und wann es besser ist, einen Piercer oder Arzt aufzusuchen.

Was erfahren Sie in diesem Artikel?

Schnelle Antwort

Ein eiterndes Piercing sollte weder ignoriert noch mit aggressiven Mitteln gereinigt werden. Zunächst ist es wichtig, normales Wundsekret während der Heilung von Anzeichen zu unterscheiden, die auf eine Infektion hindeuten können.

Reizen Sie das Piercing nicht unnötig, bewegen Sie den Schmuck nicht und reinigen Sie es vorsichtig mit steriler Kochsalzlösung. Wenn sich der Zustand verschlechtert, starke Schmerzen, zunehmende Schwellung, deutliche Rötung oder eine größere Menge eitrigen Ausflusses auftreten, empfiehlt es sich, einen erfahrenen Piercer oder medizinisches Fachpersonal zu konsultieren.

Was ist bei der Heilung normal und wann sollte man aufmerksam werden?

Zuerst muss unterschieden werden, was beim Heilungsprozess völlig normal ist und was bereits auf ein Problem hinweisen könnte.  

Während der Heilung kann neben Empfindlichkeit, Schwellung und Rötung auch eine kleine Menge klares oder weißlich-gelbes Sekret austreten. Nach dem Trocknen kann dieses Sekret eine Kruste um den Schmuck bilden. Das bloße Vorhandensein dieses Sekrets bedeutet jedoch nicht automatisch eine Infektion.

Entscheidend ist vor allem der gesamte Verlauf der Abheilung. Lassen Empfindlichkeit, Schwellung und Rötung allmählich nach, handelt es sich meist um einen normalen Heilungsprozess. Verschlechtert sich der Zustand hingegen kontinuierlich, kann eine Infektion vorliegen.

Sie sollten besonders aufmerksam werden, wenn folgende Symptome auftreten:

  • dickflüssiger oder starker Ausfluss – insbesondere wenn die Menge zunimmt,
  • zunehmende Schmerzen – die Stelle wird schmerzhafter statt sich zu beruhigen,
  • zunehmende Schwellung – die Schwellung nimmt nicht ab, sondern geht weiter auf,
  • starke oder sich ausbreitende Rötung – die Haut um das Piercing wird immer röter,
  • spürbare Wärmeentwicklung – die Stelle fühlt sich ungewöhnlich heiß an.

Wenn Sie sich unsicher sind, wie eine normale Heilung verlaufen sollte, hilft Ihnen auch unser Artikel Wie lange dauert die Heilung eines Piercings, der detaillierter auf die einzelnen Heilungsphasen eingeht.

Warum eitert ein Piercing?

Dafür kann es mehrere Ursachen geben. Das Problem entsteht keineswegs nur durch mangelnde Hygiene. Auch mechanische Reizung, ungeeigneter Schmuck oder das Eindringen von Bakterien in die frische Wunde können eine Rolle spielen.

Unzureichende oder falsche Pflege

Gereiztes Gewebe benötigt eine schonende Pflege. Gelangt die Stelle regelmäßig mit Schmutz in Kontakt oder wird sie falsch gepflegt, kann sich das Risiko von Komplikationen erhöhen.

Wichtig für die richtige Pflege ist vor allem ein hygienischer Umgang und sanfte Reinigung – nicht der Einsatz möglichst aggressiver Desinfektionsmittel.

Mechanische Reizung

Das Piercing kann auch durch wiederholtes Hängenbleiben an Kleidung, Haaren, Handtüchern oder dem Kopfkissen gereizt werden. Ebenso problematisch ist häufiges Anfassen, Drehen oder Verschieben des Schmucks.

Wiederholte mechanische Reizungen können die Heilung verzögern und den Zustand des umliegenden Gewebes verschlechtern.

Ungeeigneter Schmuck

Das Problem kann auch mit einer unpassenden Größe, Form oder dem Material des Schmucks zusammenhängen. Ein zu kurzer Stecker kann unangenehmen Druck ausüben, während ein ungeeignetes Material Reizungen oder allergische Reaktionen hervorrufen kann.

Wechseln Sie den Schmuck jedoch keinesfalls eigenmächtig, nur weil das Piercing eitert. Wenn Größe oder Typ angepasst werden müssen, sollte ein qualifizierter Piercer die Situation beurteilen und das weitere Vorgehen empfehlen.

Bakterielle Infektion

Gelanen Bakterien in das frische Wundgewebe, kann eine Infektion entstehen. Typische Warnzeichen sind vor allem zunehmende Schmerzen, eine stärker werdende Schwellung, deutliche Rötung und eitriger Ausfluss.

Bei Verdacht auf eine Infektion sollte medizinischer Rat eingeholt werden.

Was tun, wenn das Piercing eitert?

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Piercing eitert, ist es am wichtigsten, es nicht noch weiter zu reizen und nicht zu versuchen, das Problem mit aggressiver Reinigung zu lösen.

Das Piercing nicht unnötig reizen

Fassen Sie das Piercing nicht unnötig an, drehen Sie den Schmuck nicht und verschieben Sie ihn nicht. Jede unbefugte Manipulation kann das Gewebe zusätzlich reizen.

Wenn der Schmuck an Kleidung, Handtüchern oder anderen Gegenständen hängen bleibt, versuchen Sie, solche Situationen während der Abheilung möglichst zu vermeiden.

Sanft reinigen

Verwenden Sie zur Reinigung sterile Kochsalzlösung (Physiologische Kochsalzlösung), die speziell für die Wundpflege geeignet ist. Es besteht keine Notwendigkeit, aggressive Desinfektionsmittel zu verwenden oder jede angetrocknete Kruste gewaltsam mechanisch zu entfernen.

Lassen Sie die Stelle nach der Reinigung an der Luft trocknen oder tupfen Sie sie vorsichtig mit einem sauberen Papiertuch ab.

Eine ausführliche Anleitung zur Pflege finden Sie im Artikel Wie man ein Piercing richtig pflegt.

Nicht am Schmuck hantieren

Versuchen Sie nicht, Eiter oder angetrocknetes Sekret herauszudrücken, und nehmen Sie den Schmuck keinesfalls vorschnell heraus. Dies kann den Zustand verschlimmern; das Entfernen des Schmucks bei einer bestehenden Infektion kann das Abfließen erschweren und weitere Komplikationen verursachen.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass der Schmuck zu kurz ist, drückt oder einwandert, besprechen Sie eine Anpassung mit einem professionellen Piercer.

Wann zum Piercer und wann zum Arzt?

Ein Piercer kann den Zustand des Piercings, des Schmucks und des umliegenden Gewebes beurteilen und feststellen, ob das Problem beispielsweise mit der Größe oder der Platzierung des Schmucks zusammenhängt.

Wenn sich der Zustand jedoch verschlechtert, Sie starke Schmerzen, eine zunehmende Schwellung, deutliche Rötung, starken eitrigen Ausfluss oder andere Anzeichen einer möglichen Infektion haben, wenden Sie sich bitte an einen Arzt.

Die häufigsten Fehler beim Abheilen

Bei Verdacht auf eine Entzündung ist man versucht, das Piercing möglichst gründlich zu schrubben oder zu reinigen. Zu aggressive Pflege kann die Reizung jedoch nur noch verschlimmern.

Vermeiden Sie vor allem:

  • das Ausdrücken von Eiter,
  • ständiges Anfassen des Piercings,
  • Drehen und Verschieben des Schmucks,
  • gewaltsames Abkratzen von Krusten,
  • übermäßiges Exzessiv-Reinigen,
  • die Verwendung von Alkohol oder Wasserstoffperoxid,
  • den Einsatz aggressiver Desinfektionsmittel,
  • das Auftragen von Kosmetika oder Cremes direkt auf das Piercing,
  • eigenmächtiges Herausnehmen oder Wechseln des Schmucks.

Wenn sich der Zustand trotz schonender Pflege verschlechtert, versuchen Sie nicht, das Problem durch weitere Experimente zu Hause zu lösen. In diesem Fall ist es besser, Fachpersonal zu konsultieren.

Wie lange dauert es, bis sich ein entzündetes Piercing beruhigt?

Die Dauer der Beruhigung hängt von der Ursache und dem Ausmaß des Problems ab. Ist das Piercing lediglich gereizt – etwa nach einem Hängenbleiben oder einer anderen mechanischen Belastung –, kann es sich nach Beseitigung der Ursache allmählich wieder beruhigen.

Handelt es sich jedoch um eine echte Infektion, reicht reine Hauspflege meist nicht aus. Bei sich verschlimmernden Symptomen ist es wichtiger, die Ursache medizinisch/fachlich abzuklären, anstatt zu warten, bis das Problem von selbst verschwindet.

Häufig gestellte Fragen

Sollte ich den Eiter aus dem Piercing ausdrücken?

Nein. Das Ausdrücken von Eiter kann das umliegende Gewebe noch mehr reizen und den Zustand verschlimmern. Quetschen Sie das Piercing nicht und hantieren Sie nicht daran herum. Wenn sich der Zustand verschlechtert, wenden Sie sich an einen Piercer oder Arzt.

Sollte ich den Schmuck herausnehmen, wenn das Piercing eitert?

Nehmen Sie den Schmuck nicht eigenmächtig heraus, nur weil das Piercing eitert. Muss der Schmuck angepasst oder gewechselt werden, besprechen Sie dies am besten zuerst mit einem qualifizierten Piercer. Bei Verdacht auf eine Infektion suchen Sie bitte einen Arzt auf.

Ist gelber Ausfluss aus dem Piercing immer Eiter?

Nein. Während der Heilung kann eine kleine Menge klares oder weißlich-gelbes Wundsekret austreten, das nach dem Trocknen Krusten bildet. Entscheidend sind der Gesamtverlauf und weitere Symptome wie zunehmende Schmerzen, Schwellungen oder Rötungen.

Kann ich ein eiterndes Piercing mit Alkohol oder Wasserstoffperoxid reinigen?

Nein. Alkohol, Wasserstoffperoxid und andere aggressive Mittel können frisches oder gereiztes Gewebe zusätzlich schädigen und austrocknen. Zur sanften Reinigung eignet sich am besten sterile Kochsalzlösung aus der Apotheke oder Drogerie.

Woran erkenne ich, dass ich zum Arzt muss?

Wenn sich der Zustand des Piercings verschlechtert und deutliche Schmerzen, eine zunehmende Schwellung, starke Rötung, erheblicher eitriger Ausfluss oder andere Anzeichen einer Infektion auftreten, sollten Sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Fazit

Ein eiterndes Piercing ist kein Grund zur Panik. Beobachten Sie zunächst, wie sich der Zustand entwickelt, reizen Sie das Piercing nicht unnötig und vermeiden Sie aggressive Reinigung oder Manipulationen am Schmuck. Wenn sich der Zustand verschlechtert oder Sie unsicher sind, wenden Sie sich an einen erfahrenen Piercer oder medizinisches Fachpersonal.